Karl-Legien-Straße

Der Straßenname erinnert an Carl Legien, der am 1. Dezember 1861 im westpreußischen Marienburg geboren wurde. Er wuchs in einem Waisenhaus in Thorn auf und wurde zum Drechsler ausgebildet. Bis 1891 war er Vorsitzender der Vereinigung der Drechsler Deutschlands.
Legien war eine der entscheidenden Persönlichkeiten in der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Diese war trotz des Sozialistengesetzes von Bismarck (1878 bis 1890), das die Sozialdemokratische Partei verbot und eine Unterdrückung gewerkschaftlicher Aktivitäten mit sich brachte, nicht aufzuhalten.
Im Jahr 1889 nahm Carl Legien am Internationalen Arbeiterkongress in Paris teil, wo u.a. der 8-Stunden-Tag gefordert wurde.
In den Jahren 1888 und 1889 gab es infolge der Streikwellen zahlreiche Aussperrungen. Legien erkannte, dass ein Zusammenschluss der Gewerkschaften notwendig war. 1890 wirkte er bei der Gründung der "Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands" mit. Er selbst war 30 Jahre lang ihr Vorsitzender.
Von 1893 bis 1898 und von 1903 bis 1908 war Legien Mitglied des Reichstages und setzte sich auch dort für die Gewerkschaften, die Sozialpolitik und für den Arbeiterschutz ein. So verhinderte er die Durchsetzung der "Zuchthausvorlage", die ermöglicht hätte, dass Anführer von
  Streiks mit bis zu 6 Jahren Zuchthaus hätten bestraft werden können.
Auch auf internationaler Ebene wurde gewerkschaftliche Zusammenarbeit nötig. 1913 wurde der "Internationale Gewerkschaftsbund"(IGB) gegründet, zu dessen Präsident Carl Legien gewählt wurde.
Beim Ausbruch des 1. Weltkrieges erhob Legien seine Stimme nicht gegen den Krieg, durch den die eigentliche Gewerkschaftsarbeit fast zu erliegen kam.
1918 wurde die Republik ausgerufen, 1919 bekam Deutschland eine Verfassung, die den Deutschen die Freiheit des Zusammenschlusses und Meinungsfreiheit gewährte. Es gelang der Generalkommission zusammen mit allen anderen Gewerkschaften unter der Führung Carl Legiens am 15.11.1919, ein Abkommen über eine Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmen abzuschließen. Diese verpflichten sich dazu, die Gewerkschaften als berufene Vertreter der Arbeiterschaft anzuerkennen. Alle Arbeitsbedingungen sollten von nun an durch Tarifverträge mit den Gewerkschaften festgesetzt werden.
Im Jahre 1920 schlossen sich die vereinten Gewerkschaftsverbände zum "Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund" (ADGB) zusammen. Carl Legien wurde zum Vorsitzenden gewählt.
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